Gemeindebrief Andacht

Sonntag, 1.05.2022 10:00 Uhr

Das erste Viertel des neuen Jahres liegt hinter uns – war es bisher ein gutes Jahr für Sie? Haben Sie schöne und gesegnete Wochen und Tage erleben dürfen? Hatten Sie gute Begegnungen und sind beschenkt worden? Oder war es einfach bisher nur schwer, unsicher, blöd? Die Jahreslosung ist das eine Wort aus der Bibel, das uns Tag für Tag das ganze Jahr über begleiten will. Es ist ein besonderes Wort, das uns im Glauben und im Leben helfen möchte.

Das Wort für dieses Jahr steht beim Evangelisten Johannes im 6. Kapitel, Vers 37. Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.

Das ist so ein nettes Wort, in dem alles gesagt ist und wir bräuchten eigentlich nichts weiter hinzuzufügen. Ja, das wünschen wir uns und das wird uns zugesprochen: Bei Gott sind wir immer willkommen. Amen! Doch geht diesem Wort eine hochdramatische Szene voran und wäre es nicht Jesus gewesen, um den es hier geht, sondern ein Mensch wie Du und ich, wer weiß, wie dies sonst ausgegangen wäre…?!

In diesem 6. Kapitel berichtet uns Johannes, wie Jesus die Schar derer, die Ihm zugehört hatten, über 5.000 Männer, dazu Frauen und Kinder, mit fünf Gerstenbroten und zwei Fischen satt bekommen hatte. Diese Erzählung kennen wir auch aus den anderen Evangelien und ist uns vertraut. Jedoch zeigt uns Johannes den Abgrund, der sich hier aufgetan hat und die Versuchung, in der die vielen Menschen standen; und Johannes macht uns deutlich, wer und wie herrlich Jesus ist. Alle 5.000 plus x waren satt geworden. Sie alle hatten das Wunder mitbekommen.

Nur eine Handvoll Lebensmittel war das gewesen und Jesus hatte daraus so viel mehr und alle satt machen können. Da erwuchs in diesen Menschen die tiefe Sehnsucht, dass es immer so sein müsste. Und dass sie am besten immer so einen um sich haben müssten, der aus so wenig so ganz viel machen kann und dass sie müssten nie wieder Hunger leiden. Sie erkennen: Hier ist einer gekommen, der tatsächlich „mehr kann als Brot essen“, der kann Brot s c h a f f e n. Darum ist er unser Mann.

Die fünftausend sind durch das Speisungswunder sozusagen schlagartig zu einem einzigen Willen zusammengeschweißt.  Sie erheben sich wie ein Mann. Und vulkanartig bricht aus ihnen heraus das stürmische Begehren: Der und sonst keiner. Der Mann, der Brot schafft, muss unser König werden. Jener fast unheimliche Geist der Einigkeit, jener naturhaft­beängstigende Gesamtwille, man nennt das heute […] Masse, streckt hier seine gespenstische Hand nach Jesus. Sie wollen ihn, wenn möglich unter Anwendung begeisterter Gewalt, zum König[…] erheben. So bricht ein Volk auf und reißt seinen Herzog an sich, wenn sich im rechten Augenblick ein solcher findet.

Die Evangelisten betonen, und das ist nicht von ungefähr, dass diese fünftausend Teilnehmer Männer waren. Männer! Eine Männerbewegung ist hier aufgebrochen, und es fehlt ihnen nichts mehr als das geeignete Oberhaupt. Sie suchen ihn. Sie bewachen ihn. Sie laufen ihm nach um den See herum. So wie das schwärmende Bienenvolk sich um die Königin drängt und sie trägt und hebt, und die Königin wiederum schweißt die nach Tausenden zählende Bienentraube zusammen, so schwärmen diese fünftausend Mann, möchten ihn umfassen und tragen und möchten wiederum durch ihn getragen sein und geführt werden, wohin er sie führen will. Und sie sind gewiss, diese fünftausend, es werden bald nicht mehr nur fünftausend sein, sondern fünfzigtausend, fünfhunderttausend, das ganze Volk wird den Mann auf den Schultern tragen, der sagen kann: Ich schaff´s! Ich schaffe Brot!

Merken wir das Dämonische, das Verführerische?! Was uns hier beschrieben wird, das hat sich doch schon so oft durchgespielt und in der Geschichte wiederholt – der Schrei nach einem starken Mann, der Brot und Arbeit für alle schafft, der auf Händen getragen wird und der vorangeht und alle fühlen sich durch ihn getragen und geführt…?! Ist das nicht begreiflich? Oder gar: Ist es falsch? Was sollte daran falsch oder verwerflich sein, wenn man vom Retter der Welt erwartet, dass er einem helfe in den Nöten, dort, wo einen der Riemen engt und der Schuh drückt? Dass er einen beispielsweise beruflich fördere? Dass er einem helfe, den Alltag besser auszunutzen, konzentrierter und besonnener arbeiten zu können, sich weniger über den Vorgesetzten zu ärgern oder über den Untergebenen aufzuregen!

Ist das denn so falsch und verwerflich, wenn man mit diesem Jesus die erfreuliche Erfahrung machen kann, dass er die armen Nerven zu stärken vermag! Wie sollte man nicht Christus zum König und Herrn des Alltags erheben, wenn man dadurch seinen Kindern eine geduldigere Mutter wird und ein verständnisvollerer Vater? Wie sollte man nicht Christus auf den Schild erheben, weil er es fertiggebracht hat, die schiffbrüchige Ehe zu sanieren? Er selber gibt uns ja die Erlaubnis und muntert dazu auf uns, ihn so recht in unseren Alltag hineinzuholen, ist doch selber, der uns beten lehrte: „Gib uns heute unser täglich Brot“ – das heißt, alles, was der Mensch zum Leben braucht: Gesundheit, Brot, häuslicher Frieden und Ruhe und Ordnung im Land.

Und er selber heilt ja doch auch Kranke und Leidende Leibes und der Seele. Und just gerade dadurch, dass er diesen 5000 Männern Brot verschafft in der Wüste, zeigt er es von neuem, dass er wohl weiß, was der Mensch zum Leben braucht. Spüren wir die Sehnsucht und das Verlangen? Können wir nachvollziehen, worum es diesen fünftausend Männern und all den anderen ging?! Und dem entzieht sich Jesus, verschwindet gemeinsam mit seinen Jüngerinnen und Jüngern auf die andere Seite des Sees, um nicht nur einen räumlichen, sondern auch einen zeitlichen Abstand zu schaffen. Jesus ist das Brot des Lebens – das hatten alle verstanden. Doch warum vergleicht sich Jesus hier mit dem Brot? Sicherlich zunächst deshalb, weil Brot das unentbehrlichste Nahrungsmittel ist. Alles andere kann man ganz gut entbehren; aber Brot kann man nicht entbehren. Man kann ohne Fleisch und ohne Kartoffeln usw. auskommen, aber Brot muss man haben. Das ist unentbehrlich. Wenn man nur ein Stück Brot hat, dann kann man schon seinen Hunger stillen. Dann ist es schon gut. Man isst sich´s auch nie leid. Alle anderen Speisen würde man leid werden, wenn man sie jeden Tag bekommen würde. Den schönsten Kuchen würden die Kinder verschmähen, wenn sie ihn Tag für Tag bekommen würden. Aber das liebe Brot wird man gar nicht leid. Jesus will damit sagen, dass Er ganz unentbehrlich ist.

Du kannst alles verlieren, was du im Leben besitzt. Es ist schwer und schmerzlich, aber es ist zu verschmerzen. Aber wenn du Jesus verlieren würdest, das wäre ein unersetzlicher Verlust. Das wäre ein Unglück für Zeit und Ewigkeit. Er ist ganz unentbehrlich. Du hast Ihn nötig. Und wenn du Ihn nicht brauchst, gehst du verloren. Niemand kann Ihn entbehren. Niemand kann ohne Ihn sein. Ich bin das Brot des Lebens, sagt Jesus. Damit will Er noch ausdrücken, dass Er der Welt das Leben gibt. Wer Ihn genießt, der empfängt das Leben. Wer Ihn hat, der hat Leben – im Sinne von: völliger Genüge.

Deswegen spricht Jesus vom „Brot des Lebens“ und nicht von Schokolade oder Pralinen oder vom Zucker des Lebens. Und deswegen ist es so wichtig, dass wir mit Ihm verbunden sind, alle Tage unseres Lebens. Und weil diese Männer das damals gespürt haben, war der Wunsch in ihnen gewachsen – Dieser Mann müsse sofort unser König sein, denn dann würde es uns gutgehen und wir müssten nie wieder hungern! Und Jesus?! Natürlich möchte Er gerne unser König sein, natürlich sorgt Er sich um uns und wir dürfen mit all unseren Sorgen zu Ihm kommen.

Aber Jesus kann nicht der König sein, wie wir Ihn uns wünschen. Sie haben ihn zum König machen wollen, sie haben ihn zu dem machen wollen, was andere auch sind, sie haben aus ihm den machen wollen, der einfach „Brot auf den Laden“ schafft. Aber das konnte ein Pharao zu Josephs Zeiten auch. Das konnte ein Nebukadnezar in den Tagen Daniels. Ein Kaiser Augustus kann das auch, „Brot auf den Laden“ legen. U

nd es ist, als würde Jesus sagen: Ich will etwas schaffen, das niemand sonst kann, weder Kaiser noch König, ich will euch ewiges Leben geben. Schaltet mich doch nicht gleich mit den Großen dieser Welt. Reiht mich doch nicht ein unter die gnädigen Brotherren dieser Erde. Ich kann euch geben, was kein Brotherr euch verschaffen wird. Um euretwillen habe ich mich eurer Königskrönung entzogen. Ihr wäret die Betrogenen gewesen, hätte ich eurem Drängen nachgegeben. Ihr hättet um ein zeitliches Linsengericht das ewige Erbe in den Wind geschlagen, hätte ich mich nach eurem Willen zum König krönen lassen, denn ich bin mehr, ich bin das Brot des Lebens.

Und überhaupt, er hat es gar nicht nötig, dass fünftausend Männer ihn zum König machen. Er ist es schon und braucht es nicht erst noch zu werden. Er ist nicht König von der Menschen Gnaden, sondern König von Gottes Gnaden allein. Ihn braucht kein Mensch mehr auf den Schild zu heben, er ist bereits auf einen Schild erhoben, und es sind die Engel des Vaters, die diesen Schild tragen: „Alles, was mir mein Vater gibt, das kommt zu mir, und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.“ Er selber, er, vom Vater gekommen, wird nach dem Willen des Vaters sterben. Und dieses Sterben wird für alle, die daran glauben, Speise und Trank sein ins ewige Leben hinein. Mein Fleisch wird gebrochen, mein Blut wird vergossen werden, und davon werden die Völker leben. Im Glauben werdet ihr mein Fleisch essen, im Glauben werdet ihr mein Blut trinken, und das wird euer Leben sein. Was für ein seltsamer König!

Er bietet das ewige Leben an, indem er sagt: Ich werde sterben. Gerade umgekehrt wie andere Könige. Die Könige dieser Welt verlangen das Fleisch und das Blut ihrer Untertanen. Der König dort am See Genezareth aber bietet seinen Untertanen sein eigen Fleisch und Blut an: “Und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, welches ich geben werde für das Leben der Welt.“ Wer mich isst – im Glauben – der wird auch leben um meinetwillen. Hier werden das Geheimnis des Kreuzestodes und das Abendmahl neu begreifbar und eröffnen einen tiefen Verstehensgrund.

Das, was Jesus sagt, will unseren Glauben wecken und stärken. Und Glauben bedeutet aufhorchen auf ein Wort, aufstehen, hingehen und empfangen, was in dem Wort gesprochen wurde, und schließlich damit leben. Ein lebendiger Glaube des Herzens macht sich auf und empfängt alles, was Gott versprochen hat, und lebt damit. Wir sind eingeladen, zu glauben, uns aufzumachen, das Abendmahl zu empfangen und uns damit auseinander zu setzen, was es bedeutet, dass Jesus unser König ist, dass Er für uns gestorben ist und wir Seinen Leib und Sein Blut im Abendmahl empfangen und in uns aufnehmen und durch Ihn ewiges Leben haben dürfen. Jesus empfängt uns; Er erwartet uns und wird uns nicht abweisen. Wenn wir das Neue Testament durchblättern, gibt es da einen Menschen, den Jesus abgewiesen hat?

Er hat das Verhalten des einen oder anderen verurteilt, hat gewarnt; den reichen Jüngling hatte Er lieb gewonnen und ihm geboten, allen Reichtum wegzugeben (Matthäus 19,16ff) – nun galt es für diesen Jüngling, sich zu entscheiden. Die Sünderin, die Ihm die Füße mit ihren Tränen und mit ihren Haaren getrocknet hatte, hat Jesus hochgehoben und angenommen. Selbst den Schächer am Kreuz hat Jesus zu sich genommen und ihn mit ins Paradies genommen, als Er ihm zusprach (Lukas 23,43): Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein. Und mit wie viel Liebe erzählt Jesus davon, wie der Vater den verlorenen Sohn wieder aufgenommen und sich auch um den älteren gekümmert hat (Lukas 15,11ff.).

Jesu Einladung an uns durch das Wort der Jahreslosung beinhaltet ein „niemals mehr“ und das zeigt, dass es sich um ein verlässliches Versprechen handelt, das keine Änderung mehr erfahren wird. Es ist eine „definitive Verheißung für die Zukunft derer, die an Jesus Christus glauben.“ Jesus wird niemanden wegstoßen und vor allem niemanden verlieren und aufgeben, den Gott ihm gibt. Die Gemeinschaft mit Christus ist unzerstörbar. Im griechischen Originaltext des Johannesevangeliums steht wörtlich: „…den werde ich nicht hinauswerfen.“ Bei Gott gibt es kein Willkommen auf Probe. Wir müssen nicht zeigen, dass wir es wert sind. Sondern wir dürfen bleiben, Weil wir willkommen sind in alle Ewigkeit.

Natürlich ist es nicht so, dass wir unser Heil in der Tasche haben und Gott eben gnädig sein muss. So wie es der Philosoph Voltaire gesagt hat: Gottes Beruf ist es eben zu vergeben – „pardonner, c ´est son metiér“. Es ist nicht so, dass Gott uns Heil und ewiges Leben schenken müsste. Aber Gott gibt uns ein Versprechen. Und dieses Versprechen gilt. Es nimmt uns alle Unsicherheit, ob wir auch gut genug sind. Es ist kein Heilsverhältnis auf Probe, das Gott uns schenkt. Sondern eine offene Türe für immer! Wollten die Männer Jesus zu ihrem König machen, so hatte Er sich ihnen entzogen. Auch kamen viele damit nicht klar, was Jesus ihnen gesagt und wie Er aufgetreten war und wir erfahren am Ende des Kapitels, dass ganz viele Jesus den Rücken gekehrt hatten. So enttäuscht waren sie und wollten dann – so – nichts mehr mit Ihm zu tun haben.

Johannes berichtet uns auch davon: 66 Von da an wandten sich viele seiner Jünger ab und gingen hinfort nicht mehr mit ihm. 67 Da sprach Jesus zu den Zwölfen: Wollt ihr auch weggehen? 68 Da antwortete ihm Simon Petrus: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; 69 und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes.

 

Ihr Lieben, wir sind also eingeladen, zu Jesus zu kommen, Ihn als den König unseres Lebens anzunehmen und mit Ihm zu leben. Er wird sich um unsere Alltagsbelange kümmern, sich unserer großen und kleinen Sorgen annehmen, aber eben anders, als wir uns das oft wünschen. Und wir als Gemeinde sollen einer der Orte sein, wo das erlebbar und spürbar ist. Schräge und nicht so schräge, schwierige Menschen und nicht so schwierige – sie alle sind hier willkommen. Und es freut uns sehr, dass die 3D z.B. hier ihren Platz haben, aber auch alle anderen. Jesus stellt es uns frei, uns auch gegen Ihn zu entscheiden, wie das dann auf einmal die ganze Menge getan hatte außer den Zwölfen und wohl noch ein paar wenigen anderen. Das ist Jesus. Er, der König aller Könige, bleibt frei und geht statt auf ihren Schild ans Kreuz, das ihm der Vater bereitet hat. Christus bleibt frei. O Gott, Christus bleibt frei, auch wenn fünf Millionen oder fünfhundert Millionen ihn zum König machen wollen. Und wer an ihn glaubt, den nimmt er hinein in seine Freiheit. Amen.