Gemeindebrief Andacht zur Jahreslosung

Samstag, 1.01.2022 10:00 Uhr

„Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen!“

Johannes 6,37

 

„Mama DU bist gemein“ wirft mir mein Sohn Paul wütend vor die Füße. Er ärgert sich, weil ich gerade keine Zeit und keinen Nerv für seine endlos langen Star Wars Geschichten habe. „Nein jetzt nicht Paul!“ dieser Satz hallt noch in mir nach. Ich starre auf die Wohnzimmertür und Kindheitserinnerungen schießen mir durch den Kopf. Das Gefühl abgewiesen zu werden, die Enttäuschung darüber, dass anderes wichtiger ist als ich macht sich in meiner Magengrube breit und automatisch beginnen meine Schultern resigniert zu hängen. So sitze ich da. Und starre Paul hinterher.

Abgewiesen werden, das verletzt, das lässt einen mit einem komischen Gefühl zurück. Hilflos und irgendwie ohnmächtig, denn in dem Moment entscheidet der andere über mich. Zurückweisung beginnt beim Gegenüber. Und das wirkt sich aus, auf unser Bild von uns selbst, auf unseren Selbstwert, unsere Selbstannahme. Manchmal geht das so weit, dass wir uns in diesem Moment selbst ablehnen.

Warum ist das so? Wir Menschen sind Beziehungswesen, genauso hat Gott uns erdacht Wir werden am DU zum ICH – so formulierte es einmal Martin Buber. Und wir sind ein ganzes Leben lang auf der Suche nach Anerkennung, nach Begegnung, fast so wie wir Sauerstoff zum Leben brauchen. Das erfordert einerseits Mut, sich auf Andere einzulassen und birgt gleichzeitig immer das Risiko abgewiesen zu werden. Denn in der Begegnung lüfte ich mein Visier, gebe ein Stück weit Preis wer ich bin und mache mich dadurch auch verletzlich.  

Dort wo uns jemand in unserer Verletzlichkeit sieht, ansieht und anerkennt, annimmt wie wir sind, da fühlen wir uns geborgen, gesehen, gut aufgehoben, vertrauen.

Wo oder beim wem hast DU das Gefühl anerkannt zu sein?

Die Jahreslosung für 2022 reißt genau dieses Thema an. Sie steht in Johannes 6,37. Jesus Christus spricht:

„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen“

Es sind die willkommen, „die weinen, die zweifeln, die lachen, die widersprechen, die sich sehnen, die lieben, die luftiküssen, die suchen, die träumen, die stolpern, die hartnäcken, die sich schämen, die warten, die fühlen, die kämpfen, die freigeistern, die sich wundern, die stören“

Was ist Dein „Die“? Wo ist Deine Sehnsucht, deine Verletzlichkeit, wo lüftest Du Dein Visier? Wie kommst Du zu Jesus?  

Gott ist der, der dich immer willkommen heißt. Der auf Dich wartet und Dir begegnen möchte! Bei ihm ist Anerkennung, Geborgenheit, Liebe und wieder ganz werden möglich. Eine Begegnung die verändert!

Wer zu mir kommt… das ist die Einladung an Dich. Komm zu mir, mit deinen endlos langen Geschichten, deinen hängenden Schultern, deinen Selbstzweifeln, deinen Fragen und Fragezeichen. Komm zu mir mit all deiner Leichtigkeit, in der Freude, in den unbeschwerten Momenten. Ich werden Dich nicht abweisen.

Ich wünsche uns für das Jahr 2022, dass wir dieses vollkommene-willkommen Sein bei Gott mehr und mehr begreifen, dass wir dieses Geheimnis mehr und mehr erfassen und dass wir mit offenen Armen und Anerkennung in die Begegnungen mit Anderen, mit uns selbst, mit der Welt und Gott gehen.

 

von Diakonin Nicola Nitz